Was ist eine gute Verpackung?

Andreas Zopfi, Leiter der Geschäftsstelle des Schweizerischen Verpackungsinstituts, erklärt, was eine gute Verpackung ist. Zum Beispiel verlängere sie die Lebensdauer von Produkten. Zu grosse Hüllen sind für ihn schlicht eine Täuschung der Kunden. 

Andreas Zopf
Bild: Berner Zeitung (zvg)

Herr Zopfi, was macht eine gute Verpackung aus? 

Andreas Zopfi: Sie ist einfach zu handhaben – sowohl für den Konsumenten als auch für den Transporteur, das Logistikunternehmen und den Händler. Bei Lebensmitteln gilt zudem: Die Verpackung sollte nicht mehr als zwei Prozent des Produktpreises ausmachen. Das ist nicht viel. Aber wenn man noch weniger für eine Verpackung ausgeben will, leidet die Qualität. Dann entsteht das, was ich Motorsägenverpackungen nenne: Man bringt sie nur mit zusätzlichen Hilfsmitteln auf. 

Was sagen Sie zu Hüllen, die auf mehr Inhalt schliessen lassen, als tatsächlich drin ist? 
Das ist eine Täuschung der Konsumenten. Aber die Marketingabteilungen der Unternehmen bestimmen das Design einer Verpackung, nicht wir. Stellen Sie sich vor: 80 Prozent aller Erstkäufe werden wegen der Verpackung getätigt. Entsprechend wichtig ist eine attraktive Aufmachung. 

Sie würden eine solche Verpackung sicher trotzdem produzieren. 
Ja. So funktioniert nun mal der Markt. Das grössere Problem sehe ich im Übrigen darin, dass überflüssige Verpackungen aus Ärger auf der Strasse landen können. Massnahmen gegen Littering sind uns ein grosses Anliegen. 

Was tun Sie dagegen? 
Wir versuchen ständig, das Verpackungsmaterial zu reduzieren. PET-Flaschen beispielsweise sind heute so dünn, dass sie bald an die Grenze des physikalisch Möglichen stossen. Letzten Endes verursacht allerdings nicht die Verpackung Littering, sondern der Mensch. 

Welches Thema beschäftigt die Verpackungsindustrie im Moment am meisten? 
Nachhaltigkeit ist ein grosses Thema. Aber manchmal widersprechen die Bedürfnisse der Konsumenten unseren Bemühungen. Viele bevorzugen beispielsweise Papier. Dabei hat es eine massiv schlechtere Ökobilanz als Kunststoff. Stellen Sie sich vor: Ein Baum muss erst wachsen, man braucht viel Wasser und Energie, um aus ihm Papier herzustellen. Kunststoff dagegen ist hauptsächlich ein Produkt aus Erdöl. Er wird zwar ökologisch nicht abgebaut, aber in der Regel braucht es deutlich weniger Kunststoff für eine Schutzhülle als Papier. 

Was sagen Sie zum Wunsch vieler Konsumenten nach möglichst wenig Verpackung rund um die Produkte? 
Eine Cellophan-Verpackung verlängert das Leben eines Apfels um zwei bis drei Wochen. Dafür sind nur 10 Gramm Material nötig. Ohne deren Schutz würde der Apfel viel eher im Abfallcontainer landen. Wer gegen Verpackungen ist, hat keine Ehrfurcht vor dem Produkt. Natürlich gibt es eine Tendenz, mit den Verpackungen zu übertreiben. Ich frage mich: Braucht es wirklich immer noch zusätzlich ein Plastiklöffeli und ein -gäbeli, wenn man unterwegs essen will? Könnte man das Besteck nicht von daheim mitnehmen? Aber wie gesagt: Wir von der Verpackungsindustrie setzen nur um, was der Handel und der Konsument wollen.

 

Quelle: Berner Zeitung